Entscheidungen: Wie trifft man sie richtig?

javier-allegue-barros-761133-unsplash-1

Bauchgefühl vs. Vernunftentscheidung? Fragen stellen hilft bei Entscheidungen.

Das erwartet Sie in diesem Beitrag: 

Täglich treffen wir viele Entscheidungen, bewusste und unbewusste. Gehen wir der Sache ein wenig auf den Grund mit der Entscheidungsfindung, mit dem Vernunft- und dem Bauchgefühl. Wie entscheiden wir uns in Stresssituationen? Wie durchbrechen wir beispielsweise erziehungsbedingte Erwartungshaltungen bei anstehenden Entscheidungen? Was, wenn die Entscheidung nur ein 98-prozentiger Treffer ist?

Wir geben Ihnen praxisorientierte Tipps, die Ihnen helfen, besser und schneller ausgewogene Entscheidungen zu treffen zu können.

 

Kopf oder Bauch, das ist hier die Frage – oder?

Es beginnt direkt nach dem Aufwachen: Stehe gleich ich auf – oder bleibe ich noch fünf Minuten liegen? Bis zu 100.000 Entscheidungen warten auf uns Tag für Tag, und ob wir richtig oder falsch entschieden haben, stellen wir meist erst hinterher fest. Die Entscheidungsfindung beginnt immer mit einer Frage: Nehme ich das Auto oder fahre ich mit der Bahn? Esse ich Nudeln oder Reis? Wähle ich das rote oder das schwarze Kleid? Werde ich Tierpfleger oder Anwalt?

Leichte und schwierige Entscheidungen gilt es ständig zu bewältigen und dabei nach Möglichkeit die richtige Wahl zu treffen. Woher weiß ich aber, ob es „die richtige Wahl“ ist? Was hängt alles von dieser Entscheidung ab? Was könnte schlimmstenfalls bei einer „falschen“ Wahl passieren? – Ein „richtiges“ oder „falsches“ Müsli hat natürlich weniger weitreichende Folgen als die Wahl eines Berufes, der eine Weiche für das weitere Leben stellt.

Man soll am Ende gut mit der Entscheidung leben können. Beispiel Berufswahl: Dabei ist abzuwägen: Was ist mir wichtig? Was liegt mir? Was macht mir Freude? Was hat Erfolgsaussichten? Und so weiter. Bei diesen Überlegungen lassen wir unsere bereits gemachten Erfahrungen und Informationen von außen mit einfließen.

Kennen Sie das auch? Wir gehen in ein neues italienisches Restaurant und wissen noch nicht so recht, was wir essen möchten. Lieber Pizza oder Pasta? Was ist hier besonders gut? Was bestellt meine Begleitung? Wir schauen uns um und beobachten, was andere Gäste bestellt haben und wie deren Gerichte aussehen. Reicht das nicht aus für eine Entscheidungsfindung, fragen wir vielleicht noch die Bedienung nach einer Empfehlung.

Wir lassen also äußere Eindrücke und Meinungen zu den eigenen Vorlieben einfließen, um eine Entscheidung treffen zu können. Das kann helfen, kann uns aber auch in manchen Situationen verwirren oder negativ beeinflussen, wenn man sich nur auf die Empfehlungen einer oder mehrerer externer Meinungen verlässt.

 

Kein Hokuspokus: Das „Bauchgefühl“ ist eine wichtige Schaltzentrale

Wir brauchen außer objektiven Argumenten etwas Wesentliches zu einer Entscheidungsfindung: Unser Gefühl, oder besser gesagt: unser Bauchgefühl. Vielleicht haben Sie schon gehört, dass unser Bauch „das zweite Gehirn“ genannt wird. Das stimmt insofern, als sich dort eine „Schaltzentrale“ aus einem Nervensystem befindet, die ähnlich aufgebaut ist, wie die in unserem Gehirn.

Unser „Bauchgehirn“ besteht aus 100 bis 200 Millionen Nervenzellen. Wenn man diesen Maßstab anlegt, hat es mindestens die Intelligenz eines Hundes, der etwa 160 Millionen Nervenzellen in seiner Hirnrinde hat und somit zu den intelligenten Tieren zählt. 

Unser Bauchgehirn sorgt beispielsweise für die „Schmetterlinge im Bauch“, wenn wir verliebt sind, aber auch für ein „komisches Gefühl“, wenn wir etwas entscheiden sollen und Bedenken haben. Dieses enterische Nervensystem, wie es Wissenschaftler nennen („enterisch“ von altgriechisch „enteron“ für Darm, auch Darmnervensystem; umgangssprachlich auch Bauchgehirn), hat eine physiologische Verbindung zwischen Psyche und Verdauungstrakt. „Bauchgehirn“ und „Kopfgehirn“ kommunizieren miteinander – und zwar über die so genannte Darm-Hirn-Achse. 

Das Bauchgehirn übermittelt zum Beispiel, ob wir satt oder hungrig sind. Auch Schmerzen und Unregelmäßigkeiten werden gemeldet. Die meisten Informationen, die übermittelt werden, erleben wir ganz bewusst, doch etliche Informationen werden unterschwellig übermittelt. Der Bauch sendet rund 90 Prozent aller ausgetauschten Informationen zum Hirn. Vieles davon gelangt über den so genannten Vagusnerv in diejenige Hirnregion, die für unsere Emotionen und Empfindungen zuständig ist, das limbische System.

So könnte unser Bauchgehirn nicht nur unser Wohlbefinden beeinflussen, sondern darüber hinaus auch unsere Entscheidungen. Einige Wissenschaftler vermuten, dass wir Empfindungen des Bauchhirns speichern wie in einer Bibliothek. Steht eine Entscheidung an, sucht das Gehirn nach ähnlichen Situationen und überprüft unsere Empfindung dazu. Die Entscheidung selbst fällt dann aber der Verstand.

Dieser kleine Exkurs in die Biologie verdeutlicht, dass es wichtig ist, zu unserer Entscheidungsfindung nicht nur den Verstand zu nutzen, sondern buchstäblich unser Gefühl „sprechen“ zu lassen, um uns ausgewogen entscheiden zu können: Unsere Entscheidungen sind nicht nur logisch zu treffen, wie Fragen in der Mathematik, die man mit „wahr oder falsch“ beantworten kann. Durch das Miteinbeziehen unseres Bauchgefühls kann es durchaus sein, dass sich eine vermeintlich falsche Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt doch als die richtige herausstellt. 

Im Folgenden geben wir Ihnen ein paar Tipps, die Ihnen in diesem Sinne helfen können, Entscheidungen leichter zu treffen.  

 

Komplexität reduzieren

Je komplexer das Problem ist, bei dem wir uns zu entscheiden haben, desto weniger fühlen wir uns oft in der Lage, eine Entscheidung treffen zu können. Schwierige Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen schieben wir darum manchmal gerne auf die lange Bank – oder versuchen, uns ganz davor zu drücken – in der Hoffnung, später vielleicht weitere Informationen zu erhalten, die es uns erleichtern, eine Lösung zu finden. Vielleicht kennen Sie auch dieses schlechte Gewissen? 

Das ist in Ordnung, wenn „spätere Zusatzinformationen“ realistisch sind. Besser sollte man sich jedoch von vornherein einen festen Zeitpunkt setzen, an dem die Entscheidung getroffen sein soll, ganz gleich, ob danach noch hilfreiche Umstände auf die Entscheidung einwirken könnten oder nicht. Ein wichtiger Schritt, leichter Entscheidungen zu treffen, ist, einen gewissen Grad an verbleibender Unsicherheit zu akzeptieren.

 

Was möchte ich eigentlich?

Häufig beruhen unsere Entscheidungen auf Konventionen innerhalb unseres Kulturkreises, „weil man das so tut“. Oder es heißt: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Durch die in unserer Erziehung übermittelten Wertvorstellungen wissen wir, was von uns erwartet wird.

Allerdings ist es meist die eigene Entscheidung, die man für sich trifft und nicht für andere: Unser Umfeld muss „nur“ mit unserer Entscheidung leben – vor allem aber man selbst. Macht man sich das klar, berücksichtigt man besser seine eigenen Bedürfnisse und Wertvorstellungen.

Es geht nicht darum, egoistisch zu leben oder so zu entscheiden, als wäre man alleine auf der Welt. Ganz im Gegenteil: Rücksichtnahme und gegenseitige Wertschätzung sind wichtige Werte in unserem gesellschaftlichen Miteinander. Werden Sie sich aber möglichst bewusst darüber, ob Sie Ihre Entscheidung mit voller Überzeugung getroffen haben, oder nur, weil man es (vermutlich oder tatsächlich) von Ihnen so erwartet.

 

Verstand oder Gefühl – Kopf oder Bauch? 

Gute Entscheidungen treffen wir mit Verstand und Gefühl. Um rational entscheiden zu können, eignet sich beispielsweise eine Pro- und Contra-Liste, mit der man die Alternativen (und deren Konsequenzen) auf Basis von bestimmten Kriterien bewerten kann. Notieren Sie die aus Ihrer Sicht infrage kommenden Kriterien und bewerten Sie sie anschließend in einem System von gut bis schlecht. 

Damit haben Sie Ihre Vernunftentscheidung vorbereitet. Aber für eine „richtige“, eine ausgewogene Entscheidung lassen wir auch unser Bauchgefühl zu Wort kommen. Am besten gehen wir die Kriterien nochmals durch und achten nun darauf, welche Emotionen sie in uns auslösen. Registrieren Sie nun alles, was Ihr Körper Ihnen sagen will: Fühlen Sie sich gut dabei? Haben Sie Zweifel? Plagt Sie ein Unwohlsein? Haben Sie Bedenken, die Sie sich nicht erklären können?

Eine Nacht darüber zu schlafen ist meist eine sehr gute Entscheidung: Unser Gehirn arbeitet Tag und Nacht. Egal, ob wir wach sind oder schlafen – sonst könnten wir auch nicht träumen. Das Gehirn filtert „unwichtige“ Dinge aus. Es sortiert unsere Eindrücke und unsere Gedanken. Das macht es sogar am besten, wenn wir schlafen, denn nur dann werden neue Zusammenhänge gebildet. Die Ratio ist im Schlaf ausgeschaltet.

Auf der Suche nach Lösungen unterschätzen wir manchmal die Kraft des Unterbewusstseins. In der Schlafphase fließen jedoch Erinnerungen an Erfahrungswerte mit in den Entscheidungsprozess ein. Oft passiert es, dass man beispielsweise morgens im Bad eine gute Idee hat, und auf einmal ist es ganz klar, wofür man sich entscheidet.

 

In der Ruhe liegt die Kraft

Entscheidungen unter Stress oder unter hohem Druck sind oft keine rationalen Entscheidungen. Denken Sie an eine Filmszene, in der eine Bombe entschärft werden muss: Der rote oder der blaue Draht? Es sind nur noch 10 Sekunden bis zur Detonation... In Stresssituationen handeln Sie aus dem Gefühl und schalten den Verstand ab. 

Wie entscheiden Sie „richtig“, wenn Sie nur eine Minute Zeit haben? Wechseln Sie möglichst die Perspektive, wenn Sie erkennen, dass eine anstehende Entscheidung Sie unter Stress setzt. Versuchen Sie doch beispielweise mal, von außen objektiv auf sich und Ihre Entscheidung zu schauen – und geben Sie sich selbst einen Ratschlag wie eine außenstehende Person. Atmen Sie in solchen Situationen ganz bewusst zehnmal ruhig ein und wieder aus. Sie werden feststellen, wie Sie zur Ruhe kommen und mit einem klareren Kopf Ihre Entscheidung neu bewerten und abwägen können.

 

Nicht immer dasselbe machen, nur weil es einfach ist

Unser Gehirn will möglichst effizient und energiesparend arbeiten. Darum prüft es, welche Alternative bei bevorstehenden Entscheidungen ihm vertrauter vorkommt. Das Hormon Dopamin wird als „Belohnung“ ausgeschüttet, wenn uns etwas vertraut vorkommt. Also bleiben wir „natürlich“ gerne im Fahrwasser ähnlicher Entscheidungsmuster, wenn sich dadurch dieses Glücksgefühl einstellt. Wer wollte schon freiwillig darauf verzichten und stattdessen ein Gefühl von Anstrengung und Unwohlsein verspüren? 

Viele Entscheidungen sind allerdings mit einem Risiko und möglicherweise mit Erfahrungen auf unbekanntem Terrain verbunden. Wie viele schwierige Entscheidungen haben Sie in Ihrem Leben schon getroffen? – Wie viele davon haben Sie schon bereut? – Aber hatte es vielleicht trotzdem etwas Gutes? 

Aber mit jeder Entscheidung, ganz gleich, ob sie „richtig“ oder „falsch“ getroffen wird, wissen wir: „Lebbe geht weider“, wie schon Dragoslav Stepanovic sagte. Sehr wahr Nur keine Angst vor Entscheidungen! Es öffnen sich doch immer wieder neue Türen – und es ergeben sich vielleicht neue gute oder zumindest erkenntnisreiche Möglichkeiten.

 

Manchmal muss es schneller gehen

Wenn’s schnell gehen soll mit der Entscheidungsfindung, arbeitet sozusagen nur den Verstand und schaltet den Bauch ab. Diese Art der Entscheidungsfindung ist zwar – wie jede – keine universell passende. Sie ist aber passend für alle, die beispielsweise bestimmte Ansprüche an eine Sache haben, aber nicht unbedingt die „optimale“, sondern eine rasche Lösung suchen. In diesen Situationen vergleichen Sie nicht etwa verschiedene Möglichkeiten miteinander, sondern greifen bei der erstbesten Option zu, bei der alles grundsätzlich zufriedenstellend für Sie erscheint. 

Als Beispiel: Sie haben bestimmte Vorstellungen über den Preis und die Funktionalität eines Gerätes. Wenn Sie etwa am Samstagmittag kurzfristig Ersatz für die kaputte Spülmaschine benötigen, weil Sie Gäste erwarten und der Laden gleich schließt, zögern Sie nicht, wenn Sie ein Gerät gefunden haben, auf das diese Merkmale in etwa zutreffen. – Oder braucht das Kind neue Gummistiefel, weil kurzfristig eine Wanderung durch die Matschepampe angesetzt wurde? Ob die neuen nun grün sind oder gelb, ist nebensächlich. 

Die Wichtigste Erkenntnis bei der schnellen Entscheidungsfindung: „Perfektion“ muss nicht sein und kann auch gar nicht sein. Es ist kein Weltuntergang, wenn unsere Entscheidung „nur“ ein 98-prozentiger Treffer ist, aber wir dafür aber nach der Gästebewirtung das Küchenchaos wieder rasch im Griff haben.

 

Zehn Minuten, zehn Monate, zehn Jahre

Noch eine Entscheidungshilfe: Für die US-amerikanische Autorin Suzy Welch spielt die Zahl zehn die entscheidende Rolle: In ihrem „10-10-10-Modell“ sollen sich die noch Unentschlossenen die Frage stellen, welche Auswirkungen ihre Entscheidung in zehn Minuten, in zehn Monaten und in zehn Jahren haben wird.

Wer also beispielsweise überlegt, die Kommunion seines Patenkindes zu schwänzen, weil er lieber einen Ausflug mit Freunden machen will, sollte sich vor Augen halten: Die Konsequenzen bei der Wahl des „Privatvergnügens“ mögen in zehn Minuten und in zehn Monaten wenig gravierend sein. Aber in zehn Jahren, beim Betrachten der Familienfotos, wird man spätestens zu der Erkenntnis gelangen, einen wichtigen Moment im Leben des Patenkindes verpasst zu haben, und das bedauern.

Also ist auch der Zeitfaktor beim Abwägen von Entscheidungsalternativen eine Variante, die hilfreich sein kann.

 

Fazit

Vergegenwärtigen Sie sich Ihre Vernunftargumente – und beziehen Sie Ihr Bauchgefühl bei der Entscheidungsfindung mit ein. Wägen Sie ab, aber haben Sie nicht zu viel Respekt vor einer Entscheidung. Plagen Sie sich nicht mit Zweifeln, sondern seien Sie zufrieden, obwohl eine bessere Lösung möglicherweise noch kommen könnte. 

Nichts ist in Stein gemeißelt – und wer hindert Sie daran, mit einer weiteren Entscheidung die zuvor getroffene Entscheidung zu justieren? Stellen Sie sich Entscheidungen wie Stellschrauben vor. Mit jeder Justierung ändern Sie den Ablauf ein wenig in die eine oder in die andere Richtung.

Entscheiden Sie für sich selbst – und nicht, um Erwartungen gerecht zu werden. Fragen Sie sich: Welche Auswirkungen hätten Ihre Alternativen für die nahe oder ferne Zukunft? Gönnen Sie sich, wenn möglich, eine kurze Bedenkzeit und trauen Sie sich, vertraute Entscheidungsmuster bei Bedarf mal zu verlassen. Akzeptieren Sie dann Ihre Entscheidung und leben Sie mit ihr. 

Schon der französische Staatsmann Charles de Gaulle wusste: „Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird.“ 

Von | 15. Aug 2019|

Team Agile Sales Company GmbH