High Performance Teams: 4 Phasen der Kompetenzentwicklung

Titelbild: High Performance Teams - 4 Phasen der Kompetenzentwicklung

Teams können Außergewöhnliches leisten! 


Was Dich in diesem Beitrag erwartet 

  • Definition High Performance Team 
  • Theorie der Kompetenzentwicklung nach Noel Burch 
  • Wie sich Teams zu kompetenten High Performance Teams weiterentwickeln 


Kurz gesagt
 

Egal, ob im beruflichen Rahmen, im Ehrenamt, im sportlichen Kontext und sogar in der eigenen Familie: Wir sind in allen Bereichen unseres Lebens ein Teil eines Teams, das versucht, ungewöhnliche und stressige Situationen bestmöglich zu meistern, um ein übergeordnetes Ziel zu erreichen. High Performance Teams sind Gruppen, die zu Höchstleistungen fähig sind. Die Teammitglieder  

  • haben unterschiedliche Fähigkeiten, 
  • verfolgen aber gemeinsam ein einheitliches Ziel und 
  • erzielen nachhaltigen Erfolg. 

Um sich zu einem derartigen Team zu entwickeln, müssen die Beteiligten zu kompetenten Individuen werden. Das Modell der Kompetenzentwicklung von Noel Burch beschreibt dazu vier Phasen: 

In der unbewussten Inkompetenz wissen die Personen nicht, was sie tun und sind sich ihrer Defizite nicht bewusst. Darauf folgt der Schritt der bewussten Inkompetenz. Die Individuen wissen hier um ihre Defizite und können die Auswirkungen ihrer Handlungen abschätzen. Die anschließende Phase der bewussten Kompetenz beschreibt einen Zustand, indem Personen ihre Fähigkeiten genau kennen und zur Umsetzung ein hohes Maß an Konzentration aufwenden müssen. In der Lernstufe der unbewussten Kompetenz sind die Fähigkeiten den Personen bereits in Fleisch und Blut übergegangen. 

Anhand dieses Stufenmodells kannst Du Maßnahmen ergreifen, um Dein Team zu einem High Performance Team zu machen. 


Was sind High Performance Teams? 

Stell Dir folgende Situation vor: Der Feuerwehr wird ein Notruf gemeldet. Ein Haus steht lichterloh in Flammen. Die Einsatzkräfte werden sofort verständigt. Sie kommen zur Wache, bereiten sich in Windeseile vor. Der Maschinist begibt sich ans Steuer des Fahrzeugs, der Gruppenführer nimmt auf dem Beifahrersitz Platz. Die restliche Mannschaft steigt ebenfalls in den Wagen und setzt sich. In wenigen Minuten sind sie vor Ort. Alle Teammitglieder beginnen nun routiniert mit den ihnen zugeteilten Aufgaben – von der Öffnung des Hydranten bis zur Dokumentation durch den Einsatzleiter, die das Ende des Einsatzes markiert.  

Du siehst: Jedes Rädchen greift reibungslos in das andere. Durch diese Routine, die Dynamik der Gruppe und das Vertrauen, das die Mitglieder zueinander haben, konnten sie ihr Ziel – das Löschen des Hauses und die Rettung seiner Bewohner:innen – durch persönliche Höchstleistungen gemeinsam erfolgreich erreichen. 

Anhand dieses Exempels lassen sich die vier charakteristischen Merkmale, die ein High Performance Team ausmachen, verdeutlichen:  

  • Ein übergeordnetes, einheitliches Ziel: Jedes Teammitglied setzt sich leidenschaftlich dafür ein, dass ein gemeinsames Vorhaben erreicht werden kann. Dieses Ziel leitet sie in eine Richtung und schweißt sie als Gruppe zusammen. 
  • Heterogene Zusammensetzung: Alle Beteiligten haben unterschiedliche Fähigkeiten und dementsprechend verschiedene Funktionen. Schwächen des einen Teammitglieds werden durch die Stärken eines anderen ausgeglichen. 
  • Langfristige und nachhaltige Wirkung: High Performance Teams erlangen ausgezeichnete Ergebnisse, indem sie über eine längere Zeit eine hohe Leistungsfähigkeit aufweisen. 
  • Gemeinschaftlicher Erfolg: Die Gruppe fühlt sich als solche – sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Alle erreichten Ergebnisse sind Erfolge des Teams, nicht einzelner Personen. 

Unser Beispiel lässt sich auch auf Gruppen oder Abteilungen in Unternehmen übertragen. Sind alle Beteiligten bereit, ihre Höchstleistung zu geben, um gesetzte Ziele gemeinsam zu erreichen, kann auch hier von High Performance Teams gesprochen werden. Die Leistungsfähigkeit und Bereitschaft stellen dabei die Basis des Erfolgs dar. Wie Du High Performance Teams zusammenstellst und worauf Du achten solltest, haben wir Dir in 🔗diesem Artikel erläutert.  

Doch obwohl derartige Arbeitsgruppen schneller größere Ziele erreichen können, halten immer noch viele Unternehmen am Status Quo fest. Das muss nicht bedeuten, dass diese Firmen nicht erfolgreich sind. Es gibt hier aber häufig keinerlei Weiterentwicklung und Innovationen werden nicht gestärkt. Dasselbe gilt auch für unterschiedliche Teams eines Unternehmens. 

Wie sich Individuen sowie Gruppen weiterentwickeln und welche Phasen sie dabei durchlaufen, um zu einem High Performance Team zu werden, wollen wir Dir in diesem Artikel genauer erläutern. 

Wie erlangen Individuen Kompetenz? 

Menschen entwickeln sich im Laufe ihres Lebens ständig weiter und erlernen über die Jahre immer neue Fähigkeiten. Um diese Entwicklung genauer zu veranschaulichen, bedienen wir uns hier des Modells der Kompetenzentwicklung, das oft mit der Kommunikationstheorie Neuro-Linguistisches Programmieren, kurz NLP, verbunden wird. Das in den 1970er Jahren von Noel Burch veröffentlichte Schema entstammt der Entwicklungspsychologie. Insgesamt durchlaufen Menschen auf dem Weg zu einem kompetenten Individuum laut der Theorie die folgenden vier Phasen. Zum besseren Verständnis betrachten wir bei jedem Schritt das Beispiel des Autofahrens. 🚘 

1) Unbewusste Inkompetenz 

In diesem Stadium versteht ein Individuum nicht, worum es bei einem bestimmten Bereich oder Thema geht und wie etwas erreicht werden kann. Seine eigene Unwissenheit oder seine vorhandenen Defizite sind ihm nicht bewusst. 

In unserem Beispiel befinden sich Kinder in der Phase der unbewussten Kompetenz: Sie wissen noch nicht, dass sie weder Autofahren dürfen noch in der Lage dazu sind. 

Ein Funfact: "Unwissenheit erzeugt viel häufiger Selbstvertrauen als Wissen." Zu dieser Erkenntnis kam bereits Evolutionsforscher Charles Darwin. Menschen neigen oft dazu, ihre eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen selbstbewusst zu überschätzen, statt sie objektiv zu beurteilen. Jenes Phänomen wird Dunning-Kruger- Effekt genannt. Denk dabei zum Beispiel an die Tausenden selbsternannten Fußballbundestrainer, die bei großen Sportereignissen die Mannschaft natürlich ganz anders aufgestellt hätten. 😉  
 

2) Bewusste Inkompetenz 

Die Person weiß um ihre Schwächen und Defizite und kann abschätzen, wie sich diese auswirken. Intuitiv handelt sie teilweise richtig, kann ihr Tun aber währenddessen oder danach nicht analysieren. 

Je älter Kinder in unserem Beispiel werden, desto bewusster wird ihnen, dass sie selbst nicht fahren können. Sie erkennen dementsprechend ihr Defizit an und sind sich ihrer Inkompetenz – in den allermeisten Fällen – bewusst. 

3) Bewusste Kompetenz 

Auf dieser Lernstufe kennt das Individuum Mittel und Wege, um Ziele zu erreichen. Um seine Kompetenz zu zeigen, muss es Vorgänge in kleinere Zwischenschritte aufteilen. Zur erfolgreichen Umsetzung muss es zudem ein hohes Maß an Konzentration und Bewusstheit aufwenden. Sein Vorgehen kann das Individuum in jener Phase analysieren.  

Um bei unserem Beispiel zu bleiben: Nach dem Erlangen des Führerscheins und den damit verbundenen praktischen und theoretischen Fahrstunden befinden sich junge Menschen in der Phase der bewussten Kompetenz. Sie wissen, dass sie Autofahren dürfen und können, müssen sich aber sehr konzentrieren, um ihr Wissen in Taten umzusetzen. 

4) Unbewusste Kompetenz 

Eine Person befindet sich in der Phase der bewussten Kompetenz, wenn sie bereits so viel praktische Erfahrungen sammeln konnte, dass sie Vorgänge umsetzen oder Fähigkeiten abrufen kann, ohne sich groß konzentrieren zu müssen. Sie handelt intuitiv richtig. Dennoch kann sie ihre Handlungen auf jener Stufe nicht mehr selbst analysieren. Außerdem ist es ihr nicht mehr möglich, ihr Wissen oder ihre Fähigkeiten weiterzuvermitteln, da sie sich dieser nicht mehr bewusst ist.  

Je mehr Fahrpraxis Menschen in unserem Beispiel über die Jahre erreichen, desto unbewusster wird ihnen ihre Kompetenz. Das Lenken eines Autos ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen. Sie müssen nicht mehr so sehr über ihre Handlungen nachdenken und können sich unter anderem sogar mit Mitfahrer:innen unterhalten, während sie einparken. Mit jüngeren Menschen oder Fahranfänger:innen können sie ihr Wissen aber nicht teilen, da ihr Vorgehen im Unterbewusstsein geschieht. 

Vier Stadien des Erlernens einer Fertigkeit

Abb. 01: Stufenmodell © Agile Sales Company GmbH 

 

Wie werden aus Teams kompetente High Performance Teams? 

Aus diesem Modell der Kompetenzentwicklung von Noel Burch leiten wir die notwendigen Schritte, die ein Individuum oder ein Team in den einzelnen Phasen durchschreiten muss, um an Innovationsstärke und Kompetenz zu gewinnen. Nur so können High Performance Teams geschaffen werden! 
 

Unbewusste Inkompetenz 

Schaffe Strukturen und setze in Deinem Unternehmen ein Rahmenwerk ein, das Personen und Teams rechtzeitig erkennen lässt, wenn sie etwas nicht gut machen und dementsprechend unbewusst inkompetent handeln. Durch ein derartiges Vorgehen werden nicht nur Probleme, sondern auch Chancen frühzeitig entdeckt.  

Wir empfehlen für diese Strukturen die Implementierung eines Feedback-Prozesses. Unserer Meinung nach sind Retrospektiven eine gute Form für interne Rückmeldungen. Hier blicken Teams oder – je nach Größe – gar ganze Unternehmen in regelmäßigen Terminen gemeinsam zurück und besprechen, was gut oder schlecht gelaufen ist und wie Vorgänge oder Arbeitsweisen verbessert werden können. 

Du möchtest mehr über Retrospektiven erfahren? Lade Dir 🔗hier kostenlos unser Whitepaper herunter! Wir erklären Dir darin, was genau wir darunter verstehen und wie Du sie Erfolg bringend in Deinem Unternehmen anwenden kannst.  

Bewusste Inkompetenz 

Durch Feedback-Prozesse haben die Teammitglieder oder Angestellten nun bereits erfahren, was sie nicht gut machen. Du kannst sie auf dem Weg zur bewussten Kompetenz durch zwei unterschiedliche Methoden unterstützen: 

Definiere ein festes Weiterbildungsbudget, auf das Deine Mitarbeiter:innen zugreifen können! So förderst Du eine Lernkultur innerhalb Deines Unternehmens.  

Bei der Agile Sales Company ist dies übrigens im Arbeitsvertrag festgehalten. Unsere Berater:innen müssen 20 Prozent ihrer Arbeitszeit in  Weiterbildung investieren.  

Lege für Dich und Dein Team Themen fest, in denen Ihr Euch weiterentwickeln wollt und formuliere Ziele, die Eure Kompetenzentwicklung Schritt für Schritt beschreiben! Durch eine solche iterative Vorgehensweise könnt Ihr sicherstellen, dass Ihr Euch gemeinsam zuverlässig zu einem High Performance Team weiterentwickelt. Erinnert Euch in Meetings immer wieder gegenseitig an diese Themen! 

Das iterative Vorgehen lässt sich durch die Verwendung von sogenannten OKRs – Objectives and Key Results – in der Zielsetzung im gesamten Unternehmen erfolgreich einbauen. Was genau Du unter OKRs verstehen kannst und warum Du sie in Deinem Unternehmen verwenden solltest, haben wir Dir in unserem 🔗Whitepaper genau aufgeschlüsselt.

Bewusste Kompetenz 

Diese Stufe erreichen Teams, wenn sie es schaffen, sich über einen längeren Zeitraum immer weiterzuentwickeln. Die einzelnen Teammitglieder wissen hier, was genau sie tun (müssen) und können es auch erklären. Dementsprechend handeln sie ganz bewusst.   

Um eine Kultur jenes bewussten Handelns herzustellen oder aufrechtzuerhalten, ist es wichtig, dass Sales-Teams offen und am besten täglich miteinander kommunizieren. Wir empfehlen dazu die sogenannten Dailys. Hier treffen sich Teammitglieder täglich virtuell oder vor Ort, um sich zu besprechen. Zuvor festgelegte Moderator:innen leiten durch das Meeting, das im Höchstfall zirka 15 Minuten dauern soll.  

In jenen Besprechungen werden Fragen besprochen, wie:  

  • Was steht diese Woche bei Dir an? 
  • Wobei benötigst Du (heute) Unterstützung? 
  • Welche neuen Erkenntnisse hast Du gewonnen? 
  • Welche Probleme sind aufgetreten? 

Unbewusste Kompetenz 

Viele würden nun denken, dass diese Phase das Nonplusultra ist. Mitarbeiter:innen handeln automatisiert, ohne nachdenken zu müssen. Denk dabei noch einmal an unser Beispiel des Autofahrens. Ob das jedoch unbewusste Kompetenz oder Inkompetenz ist: Darüber kann man sich streiten. 😉 

Bitte beachte: Tatsächlich kann diese Phase gefährlich werden, weil die Weiterentwicklung hier gehemmt wird, wenn Menschen aufhören sich zu hinterfragen. Damit Ihr Euch nicht in dem Schritt verliert, empfehlen wir hier noch einmal die Retrospektiven.  

Der Idealzustand ist dementsprechend die Phase der bewussten Kompetenz. In dieser Phase entstehen High Performance Teams, die zu Höchstleistungen fähig und bereit sind. Gemeinsam erreichen sie die gesteckten Ziele und sorgen so für nachhaltigen Erfolg! 

Fazit 

Es gibt mit Sicherheit viele Erklärungen dafür, warum manche Teams innovationsstark und andere wiederum innovationsschwach sind. Eines steht aber fest: Möchte man ein Team mit starker Innovationskultur und dem Drang nach ständiger Erneuerung und Weiterbildung schaffen, braucht es eine vorgegebene Struktur. Nur so können Probleme und Chancen frühzeitig erkannt werden. Hierzu benötigt es einen regelmäßigen Austausch. Retrospektiven sorgen für eine beständige Kommunikation von Feedback innerhalb der Gruppe. 

Um Mitarbeiter:innen in ihrer Entwicklung auf dem Weg zu einem High Performance Team zu unterstützen, solltest Du ein Budget zur Weiterbildung festlegen und darauf achten, dass dieses auch genutzt wird. Setze Dir außerdem gemeinsam mit Deinem Team Zwischenziele, die die Weiterentwicklung erkennbar werden lassen. Bewusstes Handeln sieht zudem einen regelmäßigen, im besten Fall täglichen, transparenten Austausch vor. 

 Du siehst: Du kannst zu einer möglichst effizienten Arbeit Deines Teams einiges beitragen. Beachte diese Punkte und versuche sie umzusetzen, um Deine Mitarbeiter:innen zu einer äußerst produktiven Gemeinschaft zusammenzuschweißen! 


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