Das sind die fünf größten Irrtümer über Agilität

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Wie bei jeder Methode bestehen auch bei Agilität einige Irrtümer, die sich hartnäckig halten.



Das erwartet Sie in diesem Beitrag:
Aufklärung der fünf größten Irrtümer der Agilität
Unsere eigenen Erfahrungen mit Agilität
Ein kleiner Einblick, wie die Arbeit mit Agilität einfacher werden kann

Dieser Blogbeitrag wurde am 06.11.2017 erstmals veröffentlicht und wurde am 16.08.2019 überarbeitet.


Wie bei nahezu jeder Methode oder bei Arbeitsritualen gibt es auch bei Agilität Irrtümer, die einem selbst vielleicht noch nicht aufgefallen sind. Wir selbst sind über einige Fehlurteile gestolpert und zeigen Ihnen hier die fünf häufigsten:

1. Agilität ist ein Projekt

Machen Sie uns agil. 

Diesen Satz hören wir im Rahmen von Beratungsgesprächen leider viel zu häufig. Dahinter steckt durchaus der Wunsch nach Erfolg – und der Glaube, dass agile Sales-Teams „automatisch“ erfolgreicher sind. Aus diesem einfachen Wunsch heraus scheuen manche Unternehmen auch keine Mühe, neue agile Methoden zu in ihren Alltag zu integrieren. Allerdings konzentrieren sie ihre ganze Energie darauf „agil“ zu werden. 

Das Ergebnis ist meistens, dass das Projekt „Agile Transformation“ alles in der neuen Arbeitsweise beherrscht. Es kostet so viel Zeit, dass das Team kaum noch dazu kommt, sich um das Tagesgeschäft zu kümmern. Das ist natürlich nicht der Sinn von Agilität. 

Agile Methoden sind Werkzeuge, die die Arbeit eines Sales-Teams vereinfachen sollen. Sie sind als Team erfolgreicher, weil sie Agilität als Tool nutzen, um Ihre Kunden besser zu verstehen und mehr zu verkaufen. Sie arbeiten mit agilen Methoden, um schneller zu lernen und sich immer weiter zu verbessern.

Nach unserer Erfahrung erreichen Sie in vier bis zwölf Wochen nach Einführung der agilen Arbeitsweise die ersten gesteigerten Umsatzerfolge. Es dauerte ein paar Monate, bis das agile Mindset in Ihrer alltäglichen Arbeitsweise verankert ist. 

Das bedeutet, dass stetige Verbesserung zum Kernpunkt der täglichen Arbeit wird. Deswegen handelt es sich bei Agilität auch nicht um ein Projekt, das irgendwann abgeschlossen wird. Es wächst mit Ihnen.

 

2. Agilität ist das Non-plus-ultra

Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass wir agile Methoden sehr mögen. Wir sind damit ja auch sehr erfolgreich. Agilität gehört zu den großen Trends im Projektmanagement. Was in der Software-Entwicklung seinen Durchbruch feierte, kommt auch in sehr vielen anderen Bereichen und Branchen zum Einsatz. 

Letztlich ist Agilität eine Antwort auf Veränderung und Unvorhersehbarkeit. Die meisten Märkte entwickeln sich so dynamisch, dass langfristige Planungen wenig sinnvoll sind. Agile Teams können sich in kurzfristig angelegten Planungszyklen besser orientieren.

Flexible Entwicklungen erleben mittlerweile so ziemlich alle Branchen und Unternehmen. Deswegen funktionieren agile Methoden gerade in Zeiten der Schnelllebigkeit so gut. 

Unser Tipp: Lassen Sie sich von niemandem erzählen, dass Sie und Ihr Unternehmen „nur“ mit agilen Methoden erfolgreich werden oder bleiben könnten! Schauen Sie sich zuerst Ihre eigene Vorgehensweisen an und machen Sie sich bewusst, was Sie richtig machen und warum. Erst dann entscheiden Sie, wie agile Methoden Ihre Arbeit erleichtern und verbessern können. Seien Sie kritisch!

 

3. Agilität braucht keine Führungskraft

Dieser Irrtum über Agilität ist besonders weit verbreitet. Agile Teams teilen sich ihre Arbeit selbstständig ein, soweit ist es richtig. Ein Führungsvakuum entsteht deswegen aber noch lange nicht. Die Aufgaben und Kompetenzen sind nur anders aufgeteilt. 

Im Scrum gibt es drei „Management-Positionen“: Product Owner, Scrum Master und das Team. Das Selbstverständnis im Agilen Arbeiten besteht allerdings darin, dass in „Rollen“ gearbeitet wird statt in Hierarchien.

Der Product Owner: Im Vertrieb ist das in vielen Fällen die Abteilungsleitung. Sie hat die strategische Ausrichtung des Unternehmens im Blick und gibt dem Team die Richtung vor. Sie hilft den Mitgliedern bei allen fachlichen Fragen und unterstützt sie, die gesteckten Ziele zu erreichen. Dabei lässt der Product Owner dem Team in der Regel freie Hand. Sollte die Zielerreichung gefährdet sein, hat er aber auch das Recht, aktiv in das Tagesgeschäft des Teams einzugreifen.

Der Scrum Master: Er oder sie ist für die Umsetzung der agilen Methodik verantwortlich. Scrum Master sorgen dafür, dass der agile Rahmen eingehalten wird und die Team-Mitglieder die Methoden verinnerlichen. Darüber hinaus ist er oder sie auch eine Art „Kümmerer“. Die Sorgen und Nöte der Projektmitarbeiter gehören ebenfalls zu diesem Aufgabenbereich.

Das Team arbeitet selbstorganisiert und eigenverantwortlich an den gestellten Aufgaben. 

 

4. Agilität ist neu und innovativ

Agilität, das ist für viele der „neueste, innovativste Schrei“ in Sachen Projektmanagement. Doch so beliebt die Methoden auch sein mögen: Sie alle basieren auf Elementen, die bereits seit Jahrzehnten zum Einsatz kommen.

Nehmen wir als Beispiel das agile Mindset und den Anspruch, sich kontinuierlich verbessern zu wollen: Dieser Anspruch ist ein fester Bestandteil des Deming-Kreises, den der US-amerikanische Physiker Walter Andrew Shewhart für die Qualitätssicherung im Industrieumfeld entworfen hat – in den 1930er-Jahren. Seitdem gehören diese Qualitäten in vielen Industrieunternehmen, aber auch bei vielen Dienstleistern, zu den Standardverfahren.

Ähnliches gilt auch für die Kanban-Methode, die bereits Ende der 1940er-Jahre in der japanischen Toyota Motor Corporation entstand. Seitdem wurde das Verfahren stetig verfeinert – bis es schließlich nicht mehr nur für produzierende Unternehmen, sondern auch für Firmen, wie möglicherweise Ihre, aus anderen Branchen interessant wurde. Agilität ist also streng genommen nichts Neues. Agile Methoden sind quasi die nächste Evolutionsstufe aus vielen erfolgreichen Management-Methoden.

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5. Agilität ist ein Zeitfresser

Agile Methoden, unter anderem Scrum mit seinen festen Ritualen, gelten für viele Außenstehende als ziemlich zeitraubend. Auch wir haben das schon gehört: „Die stehen doch eh nur ständig vor ihrem Board“: Egal aus welchem Unternehmen die agilen Teams kamen, ob aus der IT, HR oder Vertrieb.

Aber ganz im Gegenteil: Wir halten agiles Arbeiten sogar für ziemlich effektiv. Bei Agile Sales Company können wir ziemlich genau beziffern, wieviel Zeit die Kommunikation im Team pro Woche verbraucht: Gehen wir einmal davon aus, dass montags zwei Stunden für die Sprint-Planung anfallen. Dienstags bis freitags gibt es dann vier 15-minütige Daily Stand-ups sowie am Freitag eine einstündige Review – das war es dann aber auch schon. 

Weil diese Meetings klaren Regeln unterliegen und viele Prozesse transparent machen, braucht es keine weiteren Absprachen. Zusammen macht das vier Stunden in der Woche für Kommunikation und (bei 40 Arbeitsstunden/Woche) 36 Stunden für Verkaufen. Können Sie und Ihr Team das toppen?

Nehmen Sie sich ruhig ein Blatt Papier und einen Kugelschreiber zur Hand und rechnen Sie nach, wieviel Zeit Ihr Team in der Woche für die Planung benötigt. Wahrscheinlich viel weniger! Und jetzt schreiben Sie bitte auf, wie viel Zeit Sie zur Klärung von Missverständnissen, der Beantwortung von E-Mail-Fluten und Telefonrückfragen brauchen. Wie viel, das dürfte in den meisten Fällen sehr schwer zu sagen sein. Ich wette aber, dass es mehr als vier Stunden in der Woche sind.

Fazit

Agile Methoden sind gute, effektive Werkzeuge. Mit Kontinuität, klaren Regeln und gesundem Menschenverstand eingesetzt, erleichtern sie die Vertriebsarbeit.

  1. Agilität ist ein Projekt? Agilität gibt Ihnen den Rahmen vor, aber es wächst mit Ihnen und passt sich den Umständen in Ihrem Unternehmen an.

  2. Agilität ist das Non-plus-ultra? Nur, weil jeder in Ihrem Umfeld mit agilen Methoden arbeitet, bedeutet das nicht, dass Sie dem sich anschließen müssten. Agile Methoden sollen Ihnen im Alltagsgeschäft helfen. Nehmen Sie sich die Zeit, um herauszufinden, ob diese Methoden zu Ihnen und Ihrem Team passen.

  3. Agilität braucht keine Führungskraft? Die Teams arbeiten selbstständig, aber nicht kopflos. Die Aufgaben sind nur anders aufgeteilt. Das Scrum-Konzept bietet einen guten Rahmen, da es drei Management-Positionen gibt: Product Owner, Scrum Master und das Team.

  4. Agilität ist neu und innovativ? Agilität gibt es, grob gesehen, schon seit den 1930er-Jahren. Die Prozesse und Methoden der Agilität haben sich seitdem nur der Zeit angepasst und weiterentwickelt.

  5. Agilität ist ein Zeitfresser? Mit agilen Methoden haben Sie die Rahmenbedingungen, Fragen und Probleme im Team zu besprechen. Das spart Zeit und Nerven. So können Sie vermeiden, dass mehrere Leute wegen den gleichen Anliegen zu Ihnen kommen. Und alle kennen den Stand aller Arbeitsprozesse.

 

Vielleicht überlegen Sie noch, ob agile Methoden zu Ihrem Betrieb und Ihrem Team passen. Wenn Sie die Methode etwas ausprobieren möchten, nehmen Sie sich doch einfach vor, dass Sie beispielsweise montags das Sprint-Meeting einführen und sich die restlichen Tage morgens mit Ihrem Team zum Daily Meeting für 15 Minuten zusammensetzen. Nach vier Wochen können Sie sich schon eher ein Bild davon machen, ob agile Methoden zu Ihnen passen. Und das bedeutet ja noch lange nicht, dass Sie Agilität „unbedingt“ in jeden Bereich integrieren sollen.

Team Agile Sales Company GmbH